Das Schuldzuweisungsspiel – Preview

 

Wenn ich erkläre, was meine Arbeit mit Gefühlen verstehen lernen ist, dann ernte ich oft ein Stirnrunzeln. „Aber jeder kann doch mit seinen Gefühlen umgehen?“ Sobald ich im Gespräch ein wenig tiefer in die Emotionen eintauche, höre ich oft einen Satz: „Der ist schuld, dass ich jetzt in dieser Situation bin.“ Warum du für dein Gefühl Schuld selbst verantwortlich bist, klären wir in dem Beitrag.

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Warum dich Schuldzuweisung in den Umständen gefangen hält

Als ich ein Kind war und meine Eltern einen Streit hatten, sagten sie sich gegenseitig wieder und wieder den Satz: „Du bist an allem Schuld.“ Mein Vater war Rentner und fast jeden Tag betrunken. Wir hatten wenig Geld und meine Mutter arbeitete stundenweise als Reinigungskraft. Sie war felsenfest davon überzeugt, dass ihr Ehemann mit seiner Trinksucht an allem schuld war. Als meine Eltern sich scheiden ließen und mein Vater auszog, sollte eigentlich Ruhe herrschen. Weil derjenige, der Schuld war, sein eigenes Leben lebte. Die Realität war ernüchternd. Wir beschuldigten uns weiterhin gegenseitig für unsere Emotionen.

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Was ist Schuldzuweisung?

Schuld ist ein veraltetes Konzept im Umgang mit Gefühlen. Unsere Vorfahren hatten keine Kenntnisse über Bewusstsein, Unterbewusstsein, Wahrnehmung, Gedanken und Gefühle. Also versuchten sie genau wie wir heute, mit ihren Emotionen umzugehen. Neid, Wut, Hass, Schmerz … Wer nicht weiß, dass die eigenen Gedanken die Gefühle bestimmen und nicht das gegenüber, muss glauben, dass die Handlung der Menschen die Schuld verursacht. Wenn eine Deichsel just in dem Moment bricht, in dem eine Frau am Wegrand niest, sucht das Gehirn eine Erklärung. Es ist leider auf das Wissen der Zeit und des Menschen begrenzt, der er benutzt. Also ist Zauberei im Mittelalter das Naheliegendste und die niesende Frau wird als Hexe beschuldigt und verurteilt. Wenn ein König glaubt, die Frau ist schuld, wenn der Nachwuchs ein Mädchen ist, anstatt den Thronfolger zu begrüßen, lässt er sie in seiner Wut enthaupten. Wenn eine Frau im Frühmittelalter anno 1000 nach Christus miterlebt, wie ihr Sohn plötzlich Tod zusammenbricht, kann sie nicht anders, als Gott oder den Teufel zu beschuldigen.

Die Menschen besaßen weder unser Wissen noch unsere Technologien. Diese Unwissenheit zwang sie, sich Strategien zu überlegen, mit ihren Gefühlen umzugehen. Und weil sie glaubten, dass das, was sie sahen, die Realität war, musste auch die Realität schuld sein. Menschen, Dinge, Tiere und Götter. Einem strafenden Gott hilflos ausgeliefert zu sein, fühlt sich echt gruselig an. Weil er mit Opfern besänftigt werden muss, um für reiche Ernten zu sorgen. Notfalls mit Menschenopfern. Medizin, Chirurgie, Neurowissenschaften, Astrologie, Archäologie, Psychologie und alle Wissenschaften, die im Laufe der Jahrtausende entstanden sind, ermöglichen uns heute eine umfassende Erklärung, warum uns Umstände geschehen können. Und trotzdem zeigen wir mit dem Finger auf unsere Mitmenschen und beschuldigen sie für unsere Emotionen und Handlungen. Als ob das Denken im Mittelalter stehen geblieben ist. Zur Schuldzuweisung greifen wir aus Hilflosigkeit. Wir können uns die Umstände nicht erklären, weil uns das Wissen fehlt und die Beharrlichkeit, unsere Gefühle zu reflektieren. Wer keine Verantwortung für seine Gefühle übernehmen möchte, muss die Verantwortung von sich weisen. Und dieses Verhalten verursacht Schuldgefühle. Weil du dir selbst gegenüber die Verantwortung schuldig bleibst. Deswegen kannst du beschuldigen, wenn du möchtest, du wirst das Gefühl dadurch nicht los. Erst, wenn du Verantwortung für dein Denken, Fühlen und Handeln übernimmst.

„Aber ein Trinker ist schuld am Streit.“ Ja, das dachten wir in meiner Familie viele Jahre. Selbst dann noch, als er schon lange nicht mehr Teil der Familie war und dadurch nicht mehr an unseren alltäglichen Problemen schuld sein konnte. Doch es war der bequemste Weg, um keine Verantwortung für das eigene Leben übernehmen zu müssen. Wer sein Umfeld beschuldigt, an seinen Emotionen schuld zu sein, verfolgt eine Strategie. Die häufigste Strategie ist Vermeidung. Vermeidung von Schmerz, Verletzung, Enttäuschung, die mit Schuldzuweisung von sich gewiesen wird. Das heißt, der Trinker greift aus Verzweiflung zum Alkohol, um seine Gefühle zu betäuben, für die er seine Mitmenschen verantwortlich macht. Die Auswirkung davon ist Streit oder Gewalt. Das bedeutet, der Trinker ist nicht schuld am Streit, da Streit eine Form der Kommunikation ist, an der mindestens zwei beteiligt sind. Streit entsteht aufgrund gegenseitiger Schuldzuweisung für die eigenen Gefühle. Und mein Vater griff umso mehr zum Alkohol, je mehr wir ihn beschuldigten.

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Was macht Schuldzuweisung in dir?

Vor ein paar Tagen habe ich eine Bekannte wiedergetroffen, die ich seit fast zehn Jahren kenne. Mein letzter Stand war Selbstständigkeit im Gaststättengewerbe. Umso erstaunter war ich, dass sie sich seit einem Jahr mit Gelegenheitsjobs durchschlug. Auf meine Frage, was sie erlebt hat, antwortete sie: „Die sind schuld. Die haben mir mein Leben weggenommen.“ Also bohrte ich ein wenig nach. Sie hatte ein paar Jahre eine Gaststätte betrieben, dann wurde der Mietvertrag nicht verlängert. Deswegen sind ihrer Meinung die anderen schuld an ihrer Situation. Schauen wir uns das Beispiel konkret an. Sie hat vor Jahren einen Mietvertrag unterschrieben und eine Gaststätte angemietet. An dem Tag der Unterschrift waren ihr drei Dinge klar.

  1. Der Eigentümer kann mit seinem Eigentum tun, was er oder sie möchte.
  2. Ihr kann jederzeit gekündigt werden.
  3. Die Gaststätte könnte sich nicht rentieren und sie kündigen.

Sie war bereit, diese Risiken einzugehen und hat den Mietvertrag unterschrieben. Nach ein paar Jahren ist ein Fall davon eingetreten und der Eigentümer meldet Eigenbedarf an. Warum soll er daran Schuld sein, mit seinem Eigentum tun und lassen zu können, was er will? Hätte sie den Gaststättenbetrieb wegen fehlendem Umsatz abmelden müssen, wären in ihrem Denken die Leute oder die Wirtschaftslage schuld gewesen. Und im Falle von privaten Problemen wären diese daran schuld. Oder Geld, die Politik, die Angestellten, frühere Chefs oder Gott. Schuldzuweisung verhindert erfolgreich deine Entwicklung. Solange du jemanden oder etwas außerhalb von dir verantwortlich machst, bleibst du handlungsunfähig, deine Situation zu verlassen.

Spielen wir es einmal durch. Du wachst am Morgen auf und denkst, dass … schuld ist, an deiner Lage. Es entstehen die Gefühle von Schuld, Wut, Schmerz und Hilflosigkeit. Du gehst in den Tag und denkst beim Frühstück erneut daran, wer schuld ist. Auf dem Weg zur Arbeit stören dich die anderen Autofahren und ihr Verhalten ist schuld. In der Arbeit tauchen Probleme auf und du beschuldigst andere. Oder du redest über deine Situation, lässt dich vielleicht auf Gespräche ein, nach denen dieser und jener Politiker schuld ist am Bienensterben und der Flüchtlingskrise. Große Konzerne verpesten die Umwelt und sind schuld an den Auswirkungen. Abends beim Abendessen und deiner Freizeit siehst du eine Werbung oder einen Film und wirst erneut daran erinnert, fleißig die Welt zu beschuldigen. Irgendwann gehst du ins Bett und hoffst auf ein Wunder. Der Schlaf zieht dir den Stecker und am nächsten Tag beginnt dein Gedankenkarussell erneut.

Die meiste Zeit ist es dir nicht bewusst, dass du …

 


Der gesamte Artikel beinhaltet 2493 Worte

  • Was Schuldzuweisung ist
  • Warum Schuldzuweisung der Grund ist für deine Schuldgefühle
  • Wie diese Denkgewohnheiten dich von deinem Guten abhalten
  • Wie du Schuldzuweisungen los wirst und dich nicht mehr von anderen beschuldigen lässt.

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