Warum loslassen nicht gleich loslassen ist

Ein wundervolles Thema, wie ich finde. Oder macht es Euch vielleicht ein bisschen Angst? Was, wenn das Losgelassene fuer immer fort ist und nie wieder kommt? Wenn ich  loslasse, habe ich hinterher vielleicht sogar weniger? Wer weiß, wann ich es eines Tages doch noch gebrauchen kann? Sich trennen ist so ein Thema, dass viele an ihre Grenzen bringt, derweil ist es richtig angewendet sehr leicht und macht das Leben leichter.

Warum loslassen nicht gleich loslassen ist

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Stell Dir vor, der Eiswuerfel in diesem Glas ist der ganze Ballast an Erinnerungen, Gefuehlen und Gegenstaenden, die Dich in seinem Gravitationsfeld festhalten. Du umkreist diese Last wieder und wieder und wieder, wie der Dampfer eingesperrt in dem Glas … .

Fremde Wohnraeume haben etwas faszinierendes. Manche sind penibel steril und leer, andere sind beachtlich voll. Besonders interessant ist es, wenn sich an den Waenden nicht nur eine ganze Flaeche an verstaubten Erinnerungen tummeln, sondern selbst an den Trockenblumen bereits neues Fell gewachsen ist.

Manche koennen es, sich einfach so von Altem trennen. Manche halten es besser mit dem Festhalten, aus Angst, etwas zu verlieren – und sei es nur die ungewohnte Umgebung.

Warum ueberhaupt loslassen?

Wart ihr schon mal in der Wohnung eines Messi? Der Geruch? Das Gefuehl, fast schon auf einer Muellhalde zu leben? Ueberall Enge, Schwere und die Last einer Verantwortung, die gar nicht da ist? Ein Anblick, den niemand so schnell vergisst. Aber auch ein von oben bis unten vollgestopfter Keller, in dem alles schon heraus kullert, wird nur die Tuer geoeffnet, macht es nicht besser und trotzdem wird alles wieder schoen brav hinein gestopft und zu gesperrt. Aus den Augen, aus den Sinn. Da ist es doch ganz gut, dass wir los lassen koennen, um Ordnung zu halten.

Unsere ersten Erfahrungen mit Loslassen haben wir im Kindesalter gemacht. Wir fuehlten uns sicher an der Hand von Mami, um laufen zu lernen. Wir wussten, sie haelt uns fest, geduldig und immer wieder, bis wir es koennen. Wir hielten uns fest, stuetzen uns ab und lernten etwas sehr wichtiges – den ersten Schritt zur Selbstaendigkeit. Eines Tags liessen wir die Hand von Mami los und rannten hinaus in die Welt. Wir wussten, dass wir immer zurueck kehren koennen und die Hand uns immer halten wird, egal, wie alt wir sind. Wir liessen los und bestimmten den Kurs unseres Lebens. Stell Dir jetzt vor, Du haettest als Kind niemals die Hand Deiner Mutter losgelassen … ? Gut, es soll auch im zarten Alter von fast 60 Jahren immer noch eingefleischte Haendchenhalter der Mutter geben, aber um die geht es hier nicht.

Die naechste große Station unseres Lebens beim loslassen – Fahrradfahren. Ja, auch das war loslassen. Loslassen der Angst (und Stuetzraeder) und vertrauensvoll in die Pedale treten. Schon waren wir wieder ein Stueck weit Selbststaendiger geworden und haben etwas Neues gelernt.

Wie ist es jetzt mit Gegenstaenden in unserem Haushalt? Das sind ja nur Dinge, oder? Nun ja, manche davon sind jederzeit austauschbar und andere sind alte Erinnerungen an eine Person, Situation oder einen Ort. In beiden Faellen austauschbar – und ich kann den Aufschrei bis hierher hoeren. Wie? Erinnerungen sind austauschbar? Ja, sind sie, Du erlebst jeden Tag neue wundervolle Momente. Das Leben ist Entfaltung und Entwicklung. Das, was Du vor 10 Jahren gut fandest, kann heute bereits vollkommen uninteressant sein und gar keine Beachtung mehr von Dir finden. Die Gestaltung von damals kann Dich heute unbewusst nerven oder an eine Zeit erinnern, an die Du gar nicht erinnert werden willst. Vieles nehmen wir gar nicht mehr bewusst war – seit Jahren.

Loslassen reinigt und schafft Ordnung

Wenn ich mir heute mein Kinderzimmer zu Hause bei meinen Eltern vorstelle. Die kleine Kammer mit Schreibtisch und Bett, die Waende mit allen moeglichen voll gepflastert, Bravo-Poster von Sandra, McGyver und Baywatch (ja, wie peinlich). Jeder Winkel vollgestellt mit allem, was in so einem Zimmer Platz brauchte und wir reden von einer Grundflaeche von 3,5 x 2,5 Meter! Das alles heute noch besitzen von einer Wohnung in die naechste geschleppt zu haben! Nein, danke! So schoen diese Zeit damals war, heute ist mein Leben ein anderes. Und nein, ich habe heute kein Interesse, in alten Bravos zu schmoekern – ich kann das in meinen Erinnerungen tun. Du auch?

Wer ein gutes Erinnerungsvermaegen hat, ist hier im Vorteil. Doch es gibt eine Faehigkeit, die alle erlenen und nutzen koennen – das Da-sein! Anwesend sein mit allen seinen Sinnen. Die Szene ist mittlerweile bekannt. In der Oeffentlichkeit geschieht etwas und alle zuecken sofort ihr Smartphone, um den Moment festzuhalten, als Beweis. Aber hinterher? Erinnerst Du Dich noch daran, wie es sich angefuehlt hat? Wie es ausgesehen hat? Welche Menschen da waren? Oder brauchst Du dafuer jedes Mal das Foto? Wer Kleinkinderphotos von sich hat, an deren Entstehung er sich nicht mehr erinnern kann, weiß, wovon ich hier schreibe. Du bist Abhaengig von einem Foto, dass Dir eine Erinnerung erzaehlt, nicht weil Du sie erlebt hast.

Je weniger Du anwesend bist, im hier und jetzt, umso mehr musst du Erinnerungen festhalten, um sie nicht zu vergessen. Jemand hat mir einmal einen schoenen Satz gesagt, auf die Frage, warum sie keine Fotos von ihrem Urlaub macht? „Ich brauche keine Fotos, um mich zu erinnern. Ich brauche nur mein Herz!“

Bring Ordnung in Dein Leben und sei da. Dann brauchst Du nicht alles moegliche festhalten.

Loslassen bereichert Dein Leben

Loslassen kann schon beaengstigend sein, wenn es um Erinnerungen oder persoenliche Dinge von Menschen geht, die nicht mehr da sind. Sie waren Teil unseres Lebens und werden es immer sein. Jedoch hat kein neuer Mensch eine Chance, Teil Deines Lebens zu sein, wenn Du Deine Zeit mit Erinnerungen an vergangenes verbringst.  Die Rede ist hier nicht von entruempeln und entsorgen. Aber es ist vielleicht schon hilfreich, alle Fotos mal an einen besonderen Ort, eine Schublade, eine schone Schachtel, … zu legen, und einfach mal den freien Raum, der in den Raeumen entsteht, genießen. Ja, es macht Angst, da diese „Leere“ in dem Fall sichtbar ist. Doch sie wird sich fuellen mit neuen Erinnerungen, wenn sie Raum bekommen.

Wie ist es mit alten Gegenstaenden, die wir nicht mehr brauchen, nutzen und dennoch daran haengen? Es gibt dazu verschiedene Ratgeber und meine Erfahrung ist die Gleiche – alles, was ich ein Jahr lang nicht mal angefasst oder daran gedacht habe und mich erst daran Erinnere, wenn ich es zufaellig mal sehe, kann weg. Es ist soweit aus meinem Bewusstsein entfernt, dass ich den Platz mit guten Gefuehl etwas Neuem geben kann.

Manche haben auch Angst davor, etwas loszulassen, weil sie dann glauben, weniger zu haben. Alte Kleidung, die nicht mehr getragen, aber fuer den speziellen Fall noch aufbewahrt wird. Das 6. Besteckt, dass nie benutzt wird und nur fuer den besonderen Moment aufbewahrt wird. Meist erkennbar an dem Satz „Das brauch ich noch!“ Brauchen ist so eine schoene Manipulation des Dunklen Reiches, die unsere Raeume zuquillen laesst. Und obwohl wir so viel haben und keinen Platz mehr, brauchen wir immer mehr und weiter.

Loslassen bereichert das Leben, weil es Platz fuer Neues schafft. Klar geben wir erst etwas weg und haben „weniger“. In Wahrheit beschenkt uns das Leben, weil wir im Grunde so viel haben, dass wir teilen koennen. Es beschenkt uns mit guten Gefuehlen und es beschenkt uns mit einem Rueckfluss von Ueberraschungen.

Loslassen funktioniert auch mit Gefuehlen

Einen Gegenstand weg geben ist noch einfach. Was aber ist mit Gefuehlen? Die koennen nicht so einfach fort gegeben werden … ? Oh doch, koennen sie. Ein Gefuehl ist nichts sichtbares, es ist eine Emotion in uns, die wir erzeugen. Und dennoch ist es moeglich dieses Gefuehl loszulassen. Einen Gegenstand geben wir einmal fort – aber wie oft denken wir spaeter an ihn? Wenn er fuer uns keine Bedeutung mehr hatte, kaum bis nie. Wenn er jedoch noch eine Bedeutung hatte, eine Erinnerung, dann denken wir oefter an ihn. Wir hadern und waren noch nicht bereit zum loslassen. Mit den Gefuehlen ist es aehnlich. Wir muessen bereit sein, das Gefuehl loszulassen. Dann werden wir es zwar weiterhin fuehlen, aber es wird schwaecher und seltener werden. Fuehlen wir das Gefuehl jeden Tag, sind wir nicht bereit.

Es hilft auch, sich einen Anker zu basteln. Das Gefuehl aufzuschreiben oder ein Symbol zu basteln, sich vorzustellen, das Gefuehl steckt da drin und den Gegenstand wegzugeben oder zu verbrennen. Kehr das Gefuehl zurueck, ist im Kopf ein Bild, eine Erinnerung vorhanden, die Dir sagt, dass Du es fort gegeben hast. Funktioniert oft sehr gut mit dem resoluten  Worten „Schluss jetzt! Das habe ich mit gutem Gefuehl losgelassen!“ 😉

Wie geht loslassen?

Abschließend noch ein paar Erfahrungen, die bei mir funktioniert haben. Wie bei allem aus der Spielwelt gilt – finde das, was Dir gut tut und weiterhilft. Zieh Deine eigenen Schluesse. Meine Loesungen sind Anregungen und Inspiration, kein muss.

1. Ausmisten

Jedes Jahr jeden Gegenstand erneut in die Hand nehmen und sich fragen, ob er noch zum eigenen Leben passt und es unterstuetzt, oder ob er das eigene Leben sogar hemmt? Hat er Beachtung gefunden oder ist er vollkommen in Vergessenheit geraten?

2. Pack alles unbenutzte in eine Box

Merkt man eigentlich, dass ich Schachteln liebe? Ich hebe die brauchbarsten und stylischten Dinger meistens auf – nicht nur wegen der Garantie. Vor allen ist es hilfreich, alles moegliche vor den Augen zu verstauen und so heraus zu finden, ob es wirklich gebraucht wird. Bevor ich nach Bernbeuren gezogen bin, wollte ich meinen Umzug beschleunigen und habe 6 Monate vorher bereits alles, was ich nicht gebraucht habe, in Kisten verpackt. Die Ueberraschung war hier beim Auspacken groß, was da alles ueberhaupt drin war. An das meiste habe ich mich gar nicht erinnert und brauchte es demnach gar nicht mehr. So flogen schon mal 40% Hausstand zum Einzug raus.

3. Schreibe es auf 

Schoene Erinnerungen koennen aufgeschrieben und zusammen mit Fotos oder kleinen Mitbringseln in ein kleines Skizzenbuch eingeklebt werden. Ist wesentlich einfacher und leichter, fuer „Erinnerungsbuecher“ platz im Schrank zu finden, als fuer einen Haufen Souveniers.

4. Entscheide Dich fuer das exklusivste Erinnerungs-Stueck

Ich hatte frueher ein Fotomotiv zig mal in Boxen. Alles moegliche in mehrfacher Ausfuehrung Fotografiert. Verschieden Sammelsurien in mehrfacher Ausfuehrung fuellten meine Schubladen, wie alte Programmhefte von Musicals und sonstige Mitbringsel in zigfacher Ausfuehrung. Ich habe eines Tages alles reduziert und nur noch die besten Fotos aufbehalten. Von den Mitbringseln nur noch das Schoenste und so nicht mehr alle Schubladen voller vieler aehnlicher Sachen, sondern nur noch besondere Dinge. Funktioniert auch auf den digitalen Medien, Fotos braucht es auch hier nicht in zigfacher Ausfuehrung, sondern ein Besonderes.

5. Loslass-design

Kaum zu glauben, aber wahr. Wer kennt sie nicht, die Jugendbuntheit. Alles muss farbenfroh und ein Mitbringsel aus „weiß-woher“ sein. Schrill und ueberhaupt nicht zum Rest passend und die Räume werden zu einem bunten Hippiesalon. Irgendwann im Loslassen kehrt Ordnung ein und der Wunsch nach Klarheit. Diese drueckt sich auch in verschiedenen Bereichen aus. Ob sie immer gleich umgesetzt wird, ist eine andere Sache. Wenn der Wunsch nach Klarheit groß genug ist, wird sie sich auch in den Raeumen ausdruecken und einen persoenlichen harmoischen Stil hervorbringen.

6. Hardcoremethode

Wenn Du es richtig hart und heftig mit der „Augenblicklich-Loslass-Variante“ versuchen willst, kannst Du Deine ganzen Dinge in Deiner Wohnung in Kisten packen und Dich auf 100 Gegenstaende beschraenken, die Du die naechsten 4 Wochen benutzten willst und unbedingt brauchst. Unter diesen Gegenstaenden ist auch Zahnpasta und Buerste, Kleidung, Besteck, Teller, … (außer Moebel, Schraenke, …). Alles, was Du zum taeglichen Gebrauch verwendest, darf nur 100 Gegenstaende beinhalten. Ein Experiment, dass ich spannend finde und schon von verschiedenen „Junkies“ ausprobiert wurde. Ich will es mir selbst auch noch zu einem passenden Zeitraum vornehmen, denn

7. Loslassen befreit

Meine Erfahrung war, dass ich an Gegenstaenden festgehalten habe, die mich an bestimmte Personen erinnert haben. Beispiel mein Vater. Damals war es mir nicht bewusst, heute schon. Ich habe den Verlust ueber seine Taetigkeit definiert und allerhand Werkzeug und Hobbiespielereien, die er immer benutzt hat, unbewusst gekauft und mir nach und nach angeschafft. (obwohl Fotoerinnerungen da sind) Grund, „Will ich mal ausprobieren.“ Von Vergolden ueber Schnitzen, zu allem moeglichen, war ich fuer alle Eventualitaeten gewappnet. Das Problem dabei war, je mehr dieser Gegenstaende bei mir in den Schubladen herum lagen, die ich „mal ausprobieren“ will, umso mehr Druck baute ich in mir auf. Sie erinnerten mich immer an etwas, dass ich noch tun will, bzw. glaube zu muessen. Als ich all diese Gegenstaende im 4. Jahr immer noch nicht mehr verwendet und nur angestarrt habe, gingen sie ueber den ebay-Hammer, damit sie endlich benutzt werden. Wenn Du immer wieder auf eine Sache stoeßt, die Du „eigentlich“ mal tun willst, wenn … – schmeiß sie raus! Wenn, dann wirst Du spaeter Zeit finden und Spaß haben, bis dahin belasten sie Dich nur. Wer jetzt Angst hat, dass er dass noch mal brauchen kann und deswegen horten muss, weil er schon mal so eine Situation hatte – ich habe diese Dinge spaeter noch niemals gebraucht, sondern bin heute noch froh, dass sie weg sind und ich meine Aufmerksamkeit wieder fuer Dinge frei habe, die ich wirklich tun will.

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Kommen wir noch zum „Loslassen“

Es gibt Situationen im Leben, in denen es sinnvoller ist, festzuhalten oder wir manchmal hoffen, nicht loslassen zu muessen …

  • wenn Du an einer Felskante baumelst
  • wenn ein anderer Deine Umarmung braucht
  • wenn Du absolut gluecklich bist
  • wenn Du den Gipfel erreicht hast
  • wenn das Konzert Deiner Lieblingsband vorbei ist
  • wenn Du eine Blutung stillen musst
  • wenn Du Dein Baby zum ersten Mal haelst
  • wenn Du mit Deinem Lieblingsstift schreibst
  • wenn Du Dein Lieblingsessen isst
  • wenn die Menge Dir zujubelt
  • wenn Dein Lieblingsbuch gleich zu Ende ist
  • wenn Deine Lieblingsserie gleich zu Ende ist
  • wenn die Achterbahn in die letzte Kurve rauscht
  • wenn Du Dein kuscheliges Bett verlassen musst
  • wenn Du vor dem letzten Stueck Sacher Torte stehst

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Dieser Blog ist Teil eines neuartiges Konzeptes Dein Unterbewusstsein kennen zu lernen und zu veraendern. Mehr Informationen auf www.spielweltv3.com

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„Halte da fest, wo es noetig ist, aber lass alles los, was Dich schwer macht.“

Es ist gut, den Moment fest zu halten – erst zusammen mit Loslassen ermöglicht Dir wahre Entfaltung und Entdeckung Deines Lebens.

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Danke, fuer Deine Unterstuetzung.

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SpielWelt® ist eine eingetragene Marke

2 thoughts on “Warum loslassen nicht gleich loslassen ist

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