Eine kleine Geschichte ueber den Neid

Fragt ihr euch schon, was mit dem kleinen Bloghandlungsstrang aus den durchgeknallten Interviews geworden ist? Ich denke, es ist heute Zeit fuer einen weiteren Hinweis. Das schoene an der SpielWelt ist, dass sich dort so herrlich skurrile Gestalten tummeln, die mir auf Wunsch zur Verfuegung stehen. So wie jetzt, spontan eine Geschichte aus dem Stegreif verfassen zu einer herrlich schraegen Figur, dem

Neid

Spielweltv3-Neid-Post

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Erinnert ihr Euch noch an Lisa Schmitt? Die verschwundene Redakteurin und erstes Opfer beim Interview des Dealers aus unserer realen Welt? Seither fehlt immer noch jede Spur von ihr. Ihr Freund bat Tczarles, ihn in die SpielWelt zu bringen, um sie zu suchen. In der letzten Geschichte ueber die Liebe und die Angst ist bei Ondit eine junge Frau aufgetaucht, die nicht aus der SpielWelt kam, sondern von unserer Seite der Realitaet. Bevor die junge Frau bei Ondit gelandet war, irrte sie im verwunschenen Elfenwald umher. Schauen wir uns das ganze doch einmal genauer an … .

***

Ihr Atem geht rasseld, schweiß laeuft ihr vom Nacken an der Wirbelsaeule herab. Ihre Lungen brennen, die Haut juckt vom Salz des Schweißes und den Peitschenhieben der Aeste, an denen sie achtlos vorbei hetzt. Immer wieder stolpert sie und schlaegt der Laenge nach auf dem moosigen Waldboden auf.  Muehsam kaempft sie sich hoch, wieder und wieder, rennt blind weiter, treibt ihren Koerper bis an die Belastungsgrenze des moeglichen. Denn sie weiß, dannach kann sie nicht mehr entkommen.

Eine Geschichte aus der SpielWelt

Sie hat nach dem Aufwachen keine Ahnung gehabt, wo sie war? Ueber ihr kein blauer Himmel, sondern ein atemberaubend schoener Blick mitten in das Weltall. Es ist bedeutend mehr, als die Polarlichter, die sie aus dem Fernsehen kennt. Es ist … wie in so einem Sciencefiction Blockbuster, der eine virtuelle Welt erschaffen hat – und sie sieht nicht nur zu, sondern ist mittendrin in der Filmkulisse. So nah, wie sie diesem Sternnebel dort oben ist, kann sie unmoeglich Luft atmen. Und doch atmet sie die ganze Zeit schon. Ein Schmerz zuckt durch ihren Kopf. Sie kneift die Augen zusammen und verzieht den Mund. Vorsichtig beruehrt sie ihre rechte Schlaefe und fuehlt etwas klebriges an den Fingerspitzen – Blut. Abermals zuckt sie zusammen und schließt einen Moment die Augen. Fuehlt in sich hinein, ob sie noch irgendwo in ihrem Koerper Schmerzen hat. Zum Glueck ist es nur die Schlaefe, die schmerzhaft Pocht. Vorsichtig versucht sie sich aufzusetzen und schaut sich um. Ueber all nur ein seltsamen Wald … ? Sie schuettelt den Kopf und schließt die Augen. Atmet mehrmals tief durch. Dann betrachtet sie erneut bewusst den Ort, an dem sie sich befindet und muss mehrmals blinzeln. Das … kann nicht sein? Sie muss wohl einen sehr ueblien Schlag abbekommen haben, denn DAS kann einfach nicht wahr sein!

Langsam steht sie auf. Mehrmals muss sie inne halten und tief durchatmen, um den Schwindel zu ueberwinden. Nach einer gefuehlten Ewigkeit steht sie endlich aufrecht, ein wenig wackelig noch, aber sie steht – mit offenen Mund und glotzt in die Botanik. Das kann alles einfach nicht wahr sein! Wo zur Hoelle bin ich hier! Das letzte woran sie sich erinnern kann, ist das Gesicht eines Clowns, nein der Fratze eines Clowns. Was hat der Kerl nur mit mir gemacht? Und … verdammt … wer bin ich? 

Panisch beschleunigt sich ihr Puls, ihr Herz rast, sie bekommt kaum Luft. Wer … bin ich? Fieberhaft sucht ihr Verstand nach einem Namen. Die Buchstaben in ihrem Geist formen immer wieder ein Wort, doch kurz, bevor sie es fassen und begreifen kann loest es sich auf. „Ok, ganz ruhig, tief durchatmen!“ Mit tiefen und bewussten Atemzuegen versucht sie sich zu beruhigen, erinnert sich an ein Stressbewaeltigungstraening, dass sie vor … ach egal wann, Hauptsache es funktioniert. Die Augen geschlossen, zaehlte sie bis zehn und atmet langsam bewusst ein und aus, spuert, dass sie sich immer mehr beruhigt. Erst, als sie gefast ist, oeffnet sie erneut die Augen und wagt sich in Ruhe umzusehen.

„Ok. Ich steh in einem daemmrigen Wald aus gemalten Papierbaeumen, die sich seltsamerweise im Wind bewegen koennen? Am Himmel ist eine Freakshow des Hubble-Teleskop ich weiß nicht mehr, wie ich heiße. Na großartig.“ Der Panik ist Sarkasmus gewichen, was sie als gutes Zeichen wertet, Hauptsache, sie bleibt ruhig. Ihr faellt ein, dass sie an etwas anders denken sollte, vielleicht faellt ihr dann wieder ihr Name ein. Sie zuckt, als das fratzenhafte Gesicht des Clowns durch ihren Geist peitscht und immer wieder ein Wort mit dem Lippen formt, dass sie nicht verstehen kann. Sie taumelt rueckwaerts, tastet unbeholfen nach einem Baumstamm und lehnt sich an. Die Panik kehrt zurueck, doch diesmal ist sie gewappnet. Wo zur Hoelle ist hier der Ausgang? Und was soll das? Wieder das Gesicht des Clowns, der irgend etwas sagt, dass sie … . Und dann taucht sie in ihre Erinnerung ein. Sieht sein Gesicht, dass sich ueber sie beugt.

„Ei, ei, ei, es ist bald vorbei. Er wird Dir alles geben, was Du willst in Deinem Leben.“

„Wer?“ antwortet sie schwach, waehrend das Netzt seines Lebenslicht sie immer mehr einhuellt, wie in einem Nebel. Sie weiß, dass sie vorher an einem anderen Ort war, der irgendwie heller war. Und jetzt ist sie in einer finsteren Welt gelandet.

„Nur Geduld, mein schoenes Kind, sonst bist Du fuer seine Magie blind.“ 

Sie fuehlt sich getragen gegen ihren Willen. Sie weiß, dass sie sich wehren sollte, aber sie kann nicht, zu groß ist seine Verlockung auf alles, zu groß die Gier nach mehr.

„Ja, so ist es gut und fein, bald bist Du bei ihm allein.“

Dann war sie eingeschlafen und hier erwacht. Hier an diesem seltsamen Ort … . Sie oeffnet die Augen und versucht sich an etwas zu erinnern, aber sie erkennt nichts. Baeume aus Papier. Sie betastet das seltsame Gebilde – zu ihren Erstaunen massiv und hart, wie eben ein Baum.

„Hallo mein schoenes Kind.“

Erschrocken dreht sie den Kopf in alle Richtungen, weicht von dem Baum zurueck und sucht fieberhaft ihre Umgebung ab. Woher?

„Nicht erschrecken! Ich kann Dir helfen!“

„Wer … wer bist Du?“ fragt sie zaghaft.

„Ich bin der, den Du suchst. Der Dir endlich Genugtuung geben kann von all denen, die Dir schmerzen bereitet haben.“

„Genugtuung? Ich  … was?“ Ein Ausgang aus dieser Freakshow waer mir lieber.

„Ja Genugtuung! Gibt es niemanden, der Dir immer wieder vorgezogen wurde, der beliebter war, besser war? Dieses kleine Biest von damals, dass Dir Deine Liebe nahm! Mhm. Oder Dieser Trottel der Dir immer die besten Jobs wegnahm? Wie waere es? Moechtest du es nicht auch haben, endlich, nach so lange Zeit, was andere haben und Dir immer schon verwehrt blieb?“ Die Stimme kommt von ueberall her.

Ein lange vergessenes Gefuehl regt sich tief in ihrer Naehrstoffverbrennungseinheit – Wut. Wut auf so vieles, was ihr immer wieder vor der Nase von anderen weggeschnappt wurde. Wut auf … . Sie schuettelt den Kopf und kaempft das Gefuehl nieder. Das … kann nicht richtig sein.

„Schoenes Kind. Sei nicht zu schuechtern! Lass es zu! Ich kann Dir dabei helfen, Dich besser zufuehlen. Es Dir endlich zu nehmen! Denn Du darfst auch alles haben und zwar jetzt sofort! Moechtest Du Dich nicht besser fuehlen? Moechtest Du nicht auch endlich alles haben, was alle anderen haben? Besser sein, schoener sein, reicher sein? Alles Bessere haben und endlich von oben auf all die kleinen Wichte herab blicken koennen, weil Du es ihnen endlich gezeigt hast? Dass Du die Beste bist! Dass sie Dich endlich ernst nehmen muessen!“

Sie ist verunsichert. Irgendetwas tief in ihr drin will weglaufen, weit weg von diesem unheimlichen Ort, weg von der Stimme und weg von diesem boesen Spiel. Doch der weitaus groeßere Teil von ihr erwacht immer mehr. Der enttaeuschte Teil, der immer und immer wieder zusehen musste, wie alle anderen sie ueberholt hatten. Dieser Teil will endlich seine Genugtuung und anderen dieses unsagbare Leid zufuegen, sie stuerzen sehen und ueber sie alle triumphieren. Erschrocken ueber ihre eigenen Gedanken sieht sie hilflos zu, wie sie sich langsam vorwaerts bewegte, genau auf diese Stimme zu. Als ob etwas tief in ihr sie fuehrt oder … zieht?

„Ja, komm her zu mir, mein Kind. Komm in mein Reich. Dort kannst Du es ihnen allen Heim zahlen … .“

Ein Schatten huscht an ihr vorbei, sie will zurueckweichen, taumelt ein paar Schritte, ehe sie weiter geht, direkt auf eine alte Holztuer zu, die ploetzlich im Nebel vor ihr erschienen ist. Blutrot glueht es unter dem Tuerspalt hervor. Sie hat Angst und will einen Schritt zurueck weichen, doch der Sog ist schon zu stark und hat sie in seinem Bann genommen.

„Keine Angst, schoenes Kind. Es ist ganz harmlos und wundervoll in meinem Reich alles zu sein. Es wird Dir helfen und Dich endlich gluecklich machen. Komm … komm zu mir, komm zum NEID!“

Sie spuert, wie der Sog zunimmt. Alles in ihr schreit nach Flucht. Endlich erwacht der kleine Teil in ihr zum Leben, reißt sich gedanklich los und rennt fort. Sie hetzt durch den seltsamen Wald, egal wohin nur weg von dieser Tuer, weg von der Stimme. Irgend etwas sagt ihr, dass es nicht gut ist, sich auf das einzulassen, sondern ihr verderben. Blind stolpert sie durch den Wald biegt wahllos ab, weiter, nur immer weiter fort. Als sie vollkommen die Orientierung verloren hat und kaum noch schnaufen kann bleibt sie stehen und lehnt sich erschoepft an einem Baum.

„Wo wolltest Du denn hin?“

Phobisch glotzt sie den Alptraum an, der direkt vor ihr zurueck gekerht war – Die unheimliche Tuer. „NEIN!“ bruellt sie verzweifelt, will losspurten, als die Tuer sich dieses Mal oeffnet und schwarzer Rauch hervorschießt und sich an ihren Eingeweiden festkrallt. Genau an der Stelle, wo sie vorhin noch die unbaendige Wut und den Sog verspuert hat. Der Rauchstrang reißt sie von den Fueßen und zerrt sie direkt auf die offene Tuer zu. Sie krallt sich am Moss und allem fest, dass sie zu fassen bekommen, zerrt und zappelt, aber es hilft nichts, sie wird gnadenlos auf das Grauen zugeschleift, hinter der die schlimmste Hoelle erschienen ist, die sie sich mur vorstellen kann. Mit aufgerissen Augen starrt sie durch die offene Tuer auf eine brennende Welt in der schreiende Psychopaten in losen Zwangsjacken sich die Haare raufen, foltern, morden und sich gegenseitig verstuemmeln. Alte Weiber kaempfen um den laengst verwesenden Leichnam eines Mannes und auf einem Geldberg sitzt ein Tausendfueßler mit genausovielen Gewehren, jeden erschießend, der sich seinem Berg auch nur naehert.

Panisch wehrt sie sich vor dem wahr gewordenen Hoellenspektakel von Hyronimus Bosch hinter dieser seltsamen Tuer. Sie stemmt ihre Beine in den Boden, versucht sich hilflos festzukrallen an Baumwurzeln – vergebens. Es ist der verzweifelte Strohalm eines Ertrinkenden, der jetzt erkennt, dass das Feste eine Illusion war und das Papier das tut, was es immer schon getan hat bei Zug, einfach zerreißen. Der Strang wickelt sich fester um ihre Beine und zerrt sie eisern weiter auf die Tuer zu. Die Stimme ist in ein Lachen uebergegangen und frohlockt. Der Dealer hat dem Neid sein naechstes Opfer gebracht … .

Aus dem Nichts rauscht etwas rosafarbenes an ihr vorbei. Sie kann es nicht erkennen, aber sie fuehlt, wie das beengende Gefuehl aus ihrem Magen und der Rauchstrang verschwinden. Fast augenblicklich laesst der Sog nach und sie bleibt einen Moment benommen auf dem Ruecken liegen, ehe sie sich unbeholfen umdreht und von der Tuer weg krabbelt, weit genug, ehe sie doch noch hinein gezogen wird.

„Nein!“ Bruellt die Stimme „Du, Du … Du wirst auch eines Tages mir gehoeren!“

Mit einem lauten Knall ist die Tuer und der Spuk verschwunden.

Erschoepft bleibt sie liegen und versucht zu Atem zu kommen. Als sie aufblickt schwebt vor ihr ein kleiner Hamster in einer rosafarbenen Lichtkugel. Schwarze Knopfaugen blinzeln und starren sie eine Armspanne entfernt an. Dann legt der Hamster den Kopf schief.

Wow, denkt sie noch, die Spezial Effekte von diesem Film sind wirklich bombastisch. Wer auch immer dafuer verantwortlich ist, hat einen O… .

Dann wird sie ohnmaechtig. Sie sieht nicht mehr, wie sich der Hamster auf die Stirn schlaegt und sein kleines Koepfchen schuettelt. Worauf zur Hoelle hat er sich da nur eingelassen! Noch nie war jemand von der anderen Seite in der SpielWelt auch koerperlich gelandet. Der Ghalos betrachtet die junge Frau, die Lisa heißt. Er weiß, dass sie sich nicht erinnern kann, denn er hat ihre Worte aus dem Gespraech mit dem Neid verspeist. Und er weiß, dass die Worte nicht begeistert sein werden, wenn er, Ondit, mit ihr im Reich der Worte auftaucht – dem WOrt. Aber er hat keine Wahl, wenn er sie vor den Gefahren der SpielWelt verstecken will. Sie hat keinen Lijwhan, kein Lebenslicht und keine Ahnung ueber diese Welt des Lichts und der Dunkelheit. Sie ist jeder Manipulation des Reiches schutzlos ausgeliefert und muss erst wieder lernen, sich hier zurecht zu finden.

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SpielWeltv3-Lisa-Neid

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Wir sehen uns in der SpielWelt, wach auf und veraender Dein Leben.

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Danke fuer Deine Unterstutzung.

 

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