Ein Interview mit Tczarles Teil 1

Was macht der betagte Protagonist einer Buchreihe, wenn er mal frei hat? Rentertreff im Altenheim? Oder stellt er lieber jungem Gemuese nach?

Wie sieht sein harter Arbeitsalltag aus und was wollte er seinem Autor immer schon mal an den Kopf knallen. Jetzt, das Interview mit

Tczarles

Spielweltv3-Interview-Tczarles1

 

Lernt einen Protagonisten aus der SpielWelt von einer ganz anderen Seite kennen. Tczarles ist ein Gefangener in der Welt des Unterbewusstseins. Doch scheint er weit mehr zu wissen, als er bisher preis gegeben hat … .

Nach den letzten Vorfaellen mit dem Interview des Dealers (es wird empfohlen, das Interview mit dem Dealer vorher zu lesen, da dieses die Geschichte fortfuehrt!) haben wir Maßnahmen zur Sicherheit getroffen. Wir wollen sichergehen, dass dieses Mal dem Team nichts geschieht. Deswegen wurde der Protagonist vorsorglich gefesselt und sicher verwahrt. Von einem Knebel oder einer Maske sahen wir vorerst noch ab.

Wir sind gespannt, was uns dieser Tczarles alles erzaehlen … ? Beendet der Tontechniker seine Einleitung. Entsetzt sieht zu ihrem Gast.

„Na los, Du alter Sack, wo ist sie? Wo habt ihr sie hingebracht?“

Der Junge Mann war halb ueber dem Alten im Liegestuhl gebeugt und schuettelte ihn ordentlich durch. Endlich erwacht der  Tontechniker aus seiner Starre und zieht den jungen Mann zurueck.

„Steve, verdammt, wir sind auf Sendung!“

Der Interviewer, ein junger sportlicher Typ mit dem Ansatz eines Dreitagesbart streicht sich die Haare zurueck und atmete ein paar Mal aus. Mit einem Zahnpastalaecheln dreht er sich zur Kamera um.

„Einen Wundervollen Abend hier im Studio 9 der SpielWeltv3. Ich begrueße sie recht herzlich zu unserem heutigen Interview mit dem Protagonisten Tczarles.“

Langsam setzt er sich auf seinen Stuhl und leert das Glas Whiskey neben sich auf dem Beistelltisch auf ex. Die Augen auf den alten Mann fixiert. Tczarles blickt ein wenig benommen in die Runde, laechelt jedoch.

„Vielen Dank, Steve. Wenigstens weiß ich jetzt Ihren Namen fuer die naechste stuermische Begrueßung.“

Die Stimme des alten Mannes ist angenehm tief und wohlklingend. Doch die Art, wie er Steve ansieht und seinen Namen ausspricht, gefaellt dem Interviewer gar nicht.

„Duerfte ich Sie um einen Schluck Tee bitten?“

Steve blinzelt und starrt das Teeglas auf dem Beistelltisch neben dem Alten an. Tczarles ist mit Absperrband an den Liegestuhl wie ein Gefangener gefesselt worden. Das einzig greifbare, was in der Redaktion zu Hauf herum liegt. Seufzend steht er auf und hebt das Glas auf. Er haelt dem Alten den Strohhalm hin, damit er einen Schluck trinken kann. Eine Vorsichtsmaßnahme, aber es gibt Steve mehr das Gefuehl, seinen Opa zu fuettern, als ein Interview mit einem Schwerverbrecher aus der SpielWelt zu fuehren.

Er wartet, bis Tczarles fertig ist. Da verschluckt sich der Alte. Tee laeuft aus seinem Mundwinkel, tropft auf sein Sacko.

„Ach, wie ungeschickt von mir.“

Steve schließt die Augen und zaehlt im Geist bis drei. Dann nimmt er ein Taschentuch vom Tisch und tupft dem Alten den Mundwinkel sauber. Er schuettelt sich und geht wortlos zu seinem Stuhl zurueck. Setzt sich und betrachtet den alten Mann eine weile. Tczarles zeigt keine Spur von Angst, oder Furcht. Er ist vollkommen amuesiert ueber diese Situation.

„Sie wissen, warum wir zu diesen Maßnahmen greifen mussten?“ fragt er gerade heraus.

„Selbstverstaendlich Steve. Einer unserer Jungs war ein dummer Junge und jetzt scheißen sie sich deswegen in die Hose.“

„Sie nennen es also eine Dummheit, wenn ihr durchgeknallter Antagonist unser Team entfuehrt?“ Steve tauscht einen kurzen Blick zum Tontechniker, der ihm mit Gesten zu verstehen gibt, sofort aufzuhoeren. Doch es kuemmert ihn nicht.

„Der Dealer ist nicht mein Antagonist, sondern Clio`s. Und wie das Wort Antagonist schon sagt, ist er ein fieser Charakter, der ab und an auch Menschen ausnutzt, verschleppt, foltert und meuchelt.“ Tczarles laechelt dabei, wie ein Buddha.

Steve`s Puls beschleunigt sich. Er will schon aufspringen, als der Tontechniker ihn warnend zuruft. „Steve!“ 

„Ja, ist ja schon gut. Es ist ja nur unser Team, dass seitdem vermisst wird. Wollen Sie damit sagen, dass sie tot sind? Ist es das?“

„Nun ja. Tod ist so ein hartes Wort.“ Tczarles laechelt ihn breit an.

„Verdammt noch mal, Tczarles. Wo sind sie und was wissen sie? Ich gebe ihnen sonst keinen Tee mehr!“ Steve schlaegt mit der Faust auf den Tisch und fixiert den Alten.

Tczarles betrachtet ihn lange. Wut ist so ein herrlicher Manipulator. Er setzt den Verstand der dummen Menschen aus und sorgt  bei ihm immer fuer Spaß und gute Laune. Er mag es, wenn die Menschen so hemmungslos emotional sind. Dann geben sie ihr wahres Ich preis, ihre Aengste, Wuensche und Sehnsuechte. Dann sind sie am verletzlichsten.

„Wird das jetzt eine „gute Interviewer, boeser Interviewer“ Kiste?“ fragt er schmunzelnd. Er weiß, dass er Steve damit in den Wahnsinn treibt und das gefaellt ihm.

Steve schuettelt den Kopf. Sein Blick huscht an die Glastuer, wo eben sein Chefredakteur mit einem Gesichtausdruck erscheint, der ihm nicht nur einen Weltuntergang bescherrt, wenn er so weiter macht. Er versucht sich zu beruhigen.

„Okay. In Ordnung. Fangen wir erst mal harmlos an. Ihr Name ist Tczarles, gesprochen wie der Name Charles. Richtig?“

„Absolut mein junger Schueler.“ 

Steve uebergeht den Kommentar und betrachtet seine Notizen.

„Sie sind ein Protagonist aus der SpielWelt. Ihre Rolle ist bisher sehr begrenzt, eingesperrt im hoechsten Turm mitten im Meer … . Was haben sie gemacht? Dem Herrscher die Braut ausgespannt?“ 

„Nein. Ich habe nur getan, weswegen ich erschaffen wurde. Wissen mit der Welt teilen.“ Tczarles laechelt unentwegt.

„Ah.. ja … ich …. verstehe nicht! Was fuer Wissen?“ 

„Mein junger Schueler faengt an, die richtigen Fragen zu stellen. Das Wissen um die Macht tief in Dir. Dieses Wissen ist im Dunklen Reich strengstens verboten. Es ist verboten selbststaendig zu denken und Traeume zu suchen. Es ist verboten zu viel zu wissen, was zu einem Aufbegehren fuehren koennte. Es ist verboten, zu viel Vergangenheit zu wissen.“

Steve blinzelt mehrmals und versucht das Gehoerte nach zu vollziehen.

„Verstehe ich Sie richtig? Wissen haben, eigene Gedanken und Traeume, ist im Dunklen Reich verboten?“

„Du bist ein intellegentes Buerschen, Steve.“

„Und deswegen wurden sie eingesperrt. Damit ihr Wissen nicht mehr in der Welt verbreitet wird?“ In Steve machte sich ein Gefuehl breit, dass er zutiefst ablehnt.

„Absolut, ja. Aber keine Sorge. Ich habe alle Vergnuegungen und Annehmlichkeiten in meinem Kerkeretablissement, die ich brauche.“ Tzcarles zwinkert ihm zu.

„Und warum toetet sie das Dunkle Reich dann nicht einfach?“ hackt Steve nach und schielt zum Tontechniker, der ebenfalls erstaunt den Alten betrachtet. Sie haben hier einen Schwerverbrecher erwartet, keinen Edward Snowden der SpielWelt.

„Eine sehr gute Frage, Steve. Sehr gut. Wuerdest Du das Wissen toeten, wenn Du doch weißt, dass Du von ihm Abhaengig bist, ja es sogar immer wieder brauchst?“ 

Steve ueberlegt. Der Alte ist schlau und irgendwie verrueckt.

„Das heißt sie Wissen alles, was in der SpielWelt geschieht?“

Tczarles schmatzt gelangweilt. „Bin ich der erste große Traeumer? Ach Verzeihung, ihr nennt ihn hier drueben ja Gott. Bin ich Gott? Nein. Ich weiß genug, um weggesperrt zu werden und zu viel, um getoetet zu werden. Wissen ist ja bekanntlich Macht.“

Steve lehnt sich enttaeuscht zurueck. Beschaemt ignoriert er den vorwurfsvollen Blick des Tontechnikers. Er hat fast einen alten unschuldigen Mann verpruegelt. Er fixiert den Alten und atmet aus.

„Gut, machen wir weiter mit dem Interview. Ist es nicht bescheiden eine Rolle zu haben, eingesperrt in einem Turm? Unglaublich viel Selbstinszenierung und Monolog? Wie kommen Sie damit klar?“

„Ist es nicht bescheiden eine Rolle zu haben, eingesperrt in einem Studio mit unglaublich viel Machogehabe und dann nur einen  unerfahrenen Tontechniker und einen stummen Huehnen als Selbstinszenierung zu haben?“

Steve oeffente den Mund, um etwas zu erwirdern, aber es kommen keine vernuenftigen Worte heraus. „Also … so … koennen sie das nicht … . Gut naechste Frage. Haben Sie noch eine groeßere Rolle als die des Gefangenen! Eine …. wichtigere?“ Als die eines verrueckten Alten nuschelt Steve leise hinterher. 

„Dazu muesstest Du auffhoeren, bunte Bildchen auf Webseiten anzustarren und anfangen, das Wissen zu lesen, was in dem Web-Book steht, Steve! Dann wuesstest Du diese Antworten bereits und koenntest damit Dein Leben verbessern, statt mich wegen Deiner Unfaehigkeit zu beleidigen.“ Wieder oeffnet Steve den Mund und bringt nichts raus. Er ist immer mehr verwirrt und abgelenkt. Seine Gedanken kreisen stetig um das Verbrechen und er will am liebsten aufspringen und Antworten aus irgendjemanden rauspruegeln. Der Tontechniker kichert derweil munter vor sich hin. Der alte gefaellt ihm. Wuetend fixiert Steve den Tontechniker und haut knochentrocken seine naechste Frage heraus.

„Was geht bei Euch da drueben in der SpielWelt nach Drehschluss so ab?“

Der Tontechniker verschluckt sich. Tczarles schmatzt und rollt genervt mit den Augen. „Meine Guete, was ihr fuer daemliche Fragen hier auf dieser Seite stellt. Ihr habt Zugang auf Wissen und Macht. Und alles, was Euch interessiert ist, ob so ein Klappergestell wie ich noch die jungen Bienchen bestaeubt?“

Steve laechelt herausfordernd. „Und? Bestaeuben Sie?“

„Junger Mann. Ich darf ja wohl bitten. Das geht Dich ueberhaupt nichts an! Naechste Frage.“

Steve ueberfliegt seine Notizen. „Ach ja, hier. Sie haben uns immer wieder Zitate aus der SpielWelt geschickt. Schlaue Sprueche und so. Aber das meinen Sie doch nicht ernst, oder?“

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.

„Steve. Ich komme aus der Welt Deines Unterbewusstseins. Ich weiß ueber Dich alles. Was glaubst du denn, was das ist?“ Tczarles starrt ihm so intensiv mit seinem Orangen Auge hinter dem haengenden Lid an, dass Steve nervoes wegschaut. Der Alte spinnt einfach. Er muss an die Szene des letzten Interviews denken, als sie das leere Studio gefunden haben und von … Lisa keine Spur war. Nur einen blutigen Fingerabdruck haben sie gefunden. Doch die Polizei konnte ihn bislang nicht identifizieren. Als er den Blick hebt schaut er in ein schmunzelndes Gesicht.

„Quid pro quo?“

Steve schuettelt irritiert den Kopf. „Bitte was?“

„Schueler, Du enttaeuscht mich. Ist es doch das beruehmteste Zitat auf Eurer Seite mit einem Killer ohne gleichen.“

Steve`s Augen verengen sich. „Wollen Sie damit sagen, sie bieten mir einen Deal an? Wir tauschen Informationen aus? … worueber?“

„Bitte. Wir koennen auch weiterhin langweilige Fragen austauschen, was ich mit meinem Prostataleiden Nachts noch so alles nicht treibe und ob Kuckident wirklich eine gute Haftcreme ist? Die ueberfluessigen Fragen, ob ich mit meiner Rolle zufrieden bin, was ich der Autorin an den Hals wuenschen und mit welchen meiner Kollegen ich tauschen wuerde? Oder … .“ Er macht eine dramatische Pause. 

„… oder?“ Steve leckt sich die trockenen Lippen.

 „Oder wir unterhalten uns ueber das, was in der SpielWelt geschieht. Was mir Ihr passiert, mit Lisa!“

Tczarles rechtes Auge beginnt orange zu leuchten.

„Was zum Teufel….!“ Steve springt auf und weicht ein Stueck vor dem Alten zurueck. Um Tczarles erscheint ploetzlich ein weißes Strahlen, dass die ganze Zeit nicht da war. Das Absperrband um ihn faellt einfach zu Boden. Der schlaksige Tontechniker laesst sein Mikro fallen und stuermt schreiend zur Tuer hinaus. Waehrenddessen atmet Tczarles mehrmals mit geschlossen Augen tief durch und nimmt sich dann ganz entspannt und gentlemanlike sein Taesschen Tee.

Eben stuermt schon die Security herein, da wimmelt Steve sofort ab. Die Chance laesst er jetzt nicht entgehen.

 „Nicht noetig.“

Er betrachtet kurz Tczarles, der ihm aufmunternd zulaechelt. „Alles unter Kontrolle. Wirklich. Er ist … harmlos. Ihr koennt gehen.“ Langsam und nur widerwillig ziehen sich die zwei Schraenke zurueck und schließen die Tuer. Bleiben aber davor stehen, um notfalls sofort eingreifen zu koennen. Nur der Kameramann hat die ganze Zeit regungslos verharrt. So schnell schuechtert den baertigen Mann in Format eines Grisli niemand ein. Steve geht zu seinem Stuhl zurueck und lasst sich langsam niedersinken. Tczarles laesst er keine Sekunde aus den Augen.

„Sie wissen es, oder?“ fragt er.

Der Alte laechelt ihn selig an. „Dass du sie liebst? Ja! Wo sie ist? Ja! Wie du zu ihr gelangst? Vielleicht?“ Tczarles nimmt sich einen weiteren Schluck. Seltsamerweise scheint sein Teeglas nicht mal ansatzweise leerer zu werden.

„Und was wollen sie von mir dafuer haben?“

Das orange Auge des Alten strahlt erneut einen Moment auf. „Ich kann Dich beruhigen, Steve. Ich bin kein Dealer, der von Dir nur ein kleines Stueck Deiner Seele haben will.“

Er fixiert Steve mit seinem Blick. Dringt ganz tief in ihn ein.

„Ich … bin viel schlimmer.“

Weiter geht es morgen… .

 

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One Comment on “Ein Interview mit Tczarles Teil 1

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