Pack Dein Problem in eine Kiste (oder 7 Fakten, die Dein Problemdenken veraendern)

Stellt schon mal Kaffee bereit, das wird heute eine laengerer Blogbeitrag werden. Gestern ging es um die Produkte aus dem SpielWeltuniversum, heute gehe ich auf ein Zwischenmenschliches Thema ein. Und unser Bibliothekar aus dem Unterbewusstsein Oskar spielt darin eine ganz große Rolle. An dieser Stelle noch Mal der Hinweis, dass hier nicht alles in Stein gemeißelt ist. Es sind meine Erkenntnisse, die ich Teile und Euch einlade zu ueberdenken, austesten, annehmen oder sie auch abzulehnen.

Pack Dein Problem in eine Kiste

Spielweltv3-exit-Spring-Teufel

Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen ist es inzwischen eine Tatsache. Unser Gehirn ist eine einzige Drogenplantage, in der nach Bedarf angebaut werden kann, was wir brauchen. Sei es Adrenalin, Endorphine oder sogar Schmerzmittel. Alles, was unser Verstand begehrt wird geerntet und sofort an die Dealer in den Synapsen verteilt. Das Problem bei der Sache ist nur, dass unsere Gedanken einen großen Einfluss darauf haben, was konsumiert wird. Ihr kennt das Bespiel, wenn die sogenannte rosarote Brille nachlaesst, bzw.

der Liebescocktail im Gehirn und der Partner ploetzlich Fehler, Ecken und Kanten hat? Dann taucht oft die beruehmte Frage  auf: War der vorher auch schon so…?

Jein. Der Drogencocktail hat alles in einem rechten Licht erscheinen lassen und als die Dosis ihre Wirkung verloren hat, reicht schon eine Kleinigkeit in der Weltanschauung unseres Gegenuebers und wir haben ein Problem. Ob es sich dabei um den Partner handelt, einen guten Freund, Eltern oder Geschwister spielt keine Rolle. So lange wir auf einer Welle schwingen, ist alles ok. Doch wehe die Diskussion wird hitzig und der andere vertritt eine vollkommen gegenteilige, ja sogar radikale Meinung, dann laeuft die innere Verteidigungsmisterin zu Hoechstform auf und versucht alles, die fremde Meinung zu eliminieren. Notfalls wird der Quertreiber aus dem Leben verbannt, sich getrennt und die ganze Sippschaft bekommt Kontaktverbot mit dem Verstoßenen. Denn er ist ja Schuld, dass wir uns schlecht fuehlen und enttaeuscht sind! Ach ehrlich?

Ein Beispiel aus meiner Herkunftsfamilie. Ich wurde groß in einer Familie, die fleißig mit dem Finger auf andere Leute gezeigt hat. Die anderen taugen nichts, koennen nichts und ueberhaupt sind die Schuld, wenn wir schlechte Laune hatten. Zumindest war das die Weltanschauung, die ich als Kind vorgelebt bekam.

Das bedeutete, dass sich jeder in der Familie einfuegen musste, andernfalls hagelte es ein Donnerwetter. Es ging darum, zu gefallen, Aufmerksamkeit zu bekommen und immer brav das tun, was die Familie (also die Gruppe) gut fand. Fuer ein Kind eine schwierige Situation, da es automatisch alles tun wird, was Mama oder Papa wollen aus Angst, nicht allein zu sein. Das Kind hinterfragt nicht, ob es richtig ist oder falsch, es wehrt sich gegen die Familie (wenn es z.B. sexuelle Neigungen hat oder kontraere Interessen wie Ballett als Junge, Baggerfahren als Maedchen, die abgelehnt werden) oder es tut alles, um zur Familiengruppe zu gehoeren. Wenn Mama oder Papa Streit miteinander haben hat das Kind ein Problem. Welchem Elternteil versucht es nun zu gefallen? Wenn es sich auf Seite von Papa stellt, ist Mama enttaeuscht, umgekehrt genauso. Sind Geschwister im Haus, stellen sich die Kinder haeufig auf Seiten des staerkeren Elternteils.

Ein Sprung ins Erwachsenenalter. Wer kennt die großen Familienfeiern nicht. Alles ist harmonisch, alle feiern und dann sagt einer etwas, was zum Streit fuehrt. Innerhalb kuerzester Zeit bilden sich zwei Lager und im schlimmsten Fall reden die Parteien nicht mehr miteinander. Selbst unbeteiligte Familienmitglieder werden ploetzlich hinein gezogen und sollen den Kontakt gefaelligst meiden. In der Oeffentlichkeit gehen sie sich aus dem Weg. Und dennoch, jedes Mal, wenn die Gruppen sich begegnen, gibt es zu Hause ein Geschimpfe und Gelaestere, wie der aussieht, dass der doof ist und ueberhaupt. Manchmal geht der Streit vorbei, manchmal reden Parteien ein Leben lang nicht mehr miteinander und geben sich gegenseitig die Schuld an ihren Gefuehlen.

Warum ist das so? 

Ich sags ja immer. Der Drogencocktail im Gehirn ist schuld. 😉 Nein, keine Sorge. Aber er spielt eine Rolle. Wenn wir einen Menschen moegen, Freund, Partner, Kollege, dann sendet unser Gehirn Sympathie aus. Wir suchen Gemeinsamkeiten und je mehr Gemeinsamkeiten wir haben und finden, umso sympathischer ist uns ein Mensch. Bis hin zum Vertrauen und dem „Pferde stehlen.“ Sollte unser Objekt der Sympathie dann doch eines Tages einen Makel haben, eine Weltanschauung oder Einstellung, die wir ablehnen, faellt der arme Kerl in ewige Ungnade, weil wir enttaeuscht sind. (Die Erwartungshaltung er/sie hat unsere Gefuehle verletzt, derweil muss er/sie doch wissen, dass es uns verletzt!) Es waere doch zu schoen, um wahr zu sein, wenn es da draußen den perfekten Freund oder Partner gibt. Unsere Sympathie hat einen Knacks erlitten. Vielleicht laesst er sich kitten, im schlimmsten Fall ist die Freundschaft wegen unueberbrueckbare Differenzen fort und wir suchen einen neuen Sympathietraeger. Einen der dieses Mal hoffentlich keinen Sprung hat.

SpielWeltv3-OskarWas passiert da?

Der Grund liegt in unserer Vergangenheit und unseren Verletzungen. Und hier kommt Oskar ins Spiel. In dem Beitrag Erinnerungen habt ihr in kennen gelernt. (Unser Unterbewusstsein sammelt alle Erlebnisse und Informationen  und archiviert sie). Oskar (so nenne ich meinen Bibliothekar) ist der Herrscher dieses Schubladenreiches. Er kennt jede Erinnerung und weiß genau, wo sie abgelegt ist. ABER genau das ist der Knackpunkt. Ablegen kann es Oskar erst, wenn wir es verarbeitet haben. Unverarbeitetes liegt auf seinem Schreibtisch und stapelt sich in Akten. Mit unverarbeitete Erinnerungen meine ich Traumatas, Verletzungen, Situationen, die wir verdraengen, Angst. Alles, was unser taegliches Leben und unser Handeln beeinflusst. Je mehr dieser Akten Oskars Schreibtisch vollmuellen, umso uneffektiver kann er archivieren und haengt hinter her. Weil Oskar so ein fleissiger Bursche ist, der seine Arbeit liebt und kennt, will er die unerledigten Akten aber unbedingt bearbeiten. Und hier kommt die oben beschriebene Situation ins Spiel. Oskar vergleicht wahrend seiner Arbeit das Verhalten unseres Sympathietraegers mit seinen unerledigten Akten. Er lauscht dem Gespreach, beobachtet das Verhalten und archiviert. Findet er auch nur die kleinste Uebereinstimmungen zu einer alten Verletzung oder einem Hinwies der nicht verarbeiteten Erinnerung, haut er sofort auf den Alarmknopf. Die Drogenproduktion an Sympathie wird eingestellt und die innere Verteilungsministerin des Dunklen Reiches tritt auf den Plan. Sofort werden Schutzmaßnahmen eingeleitet und Misstrauen und Enttaeuschung verbreitet, da sie eine potenzielle Bedrohung wittert. Der Fall der Akte soll sich ja nicht wiederholen.

Oskar macht das nicht, weil er ein schlechter Bibliothekar ist oder uns aegern will. Er macht das, weil wir es zulassen, dass das Dunkle Reich uns beherrscht. Er ist lange Zeit immer zu uns gesprungen mit seinen Akten, aber er fand bei uns kein Gehoer. (Verdraengung/Ablehnung der negativen Gefuehle) Oskar will seine Arbeit jedoch fortfuehren. Also springt er zur naechsthoechsten Instanz, die innere Verteidigungsministerin. (Ich wuerde Dir einen anderen Namen als Von der … und Zu empfehlen 😉 ) Die innere Abteilung der Verteidigung wertet Deine ablehnende Haltung der Gefuehle an die Erinnerung als potenziellen Angriff aus und richtet bei Oskar in der Bibliothek einen Alarmknopf ein. Das tut sie, um beim naechsten Angriff sofort mit Misstrauen und Enttaeuschung ausruecken zu koennen. Die Sache hat nur zwei Hacken. Bei Oskar stapeln sich weiterhin munter die unerledigten Akten und werden immer voller und voller. Und wir verbinden so das negative Gefuehl weiterhin mit einer Person, die in unseren alten Akten gar nicht vorkommt. Und der wertvolle Mensch, der vor uns steht, wird so zur Illusion einer Gefahr.

Wir siehen nicht das Geschenk, dass dieser Mensch fuer uns hat, sondern das alte Problem, dass zwischen uns steht. Wie oben beschrieben laeuft jetzt alles auf Autopilot weiter. Wueste Beschimpfungen gehen hin und her, ein Schlagabtausch, wie beim Tennis. Im besten Fall beruhigen sich die Parteien wieder, im schlimmsten Fall gehen beide getrennte Wege – wegen einem Satz oder einer Meinung, die „unueberwindbar“ ist.

Mal ehrlich. Wo ist das Problem, dass einer beispielsweise gegen die Todesstrafe ist? Gegen Gewalt an Tieren? Oder ihm Dein Gesicht nicht gefaellt? Wo ist das Problem, dass es Homosexuelle gibt? Jemand vielleicht nicht so intellegent ist? Nie den Muell raus bringt? Faul ist? Auf Kosten anderer lebt? Ja genau, auf Kosten anderer! Es ist im ersten Moment alles gar kein Problem. Wir machen es zu einem Problem, weil wir damit ein Problem haben. Wir haben ein Problem damit, es in unser persoenliches Denken und unsere Wertvorstellungen ueber die Welt, die wir sehen, zu integrieren.

Ein Beispiel. Kampfhunde mussten frueher nie einen Maulkorb tragen. Erst, als ein Hund ein Kind angefallen hat, wurde es fuer alle Pflicht und die ganze Welt fing zu diskutieren an. Egal, ob Kenntnis ueber Hunde, selber Hundebesitzer oder Tierhasser. Alle schnatternden munter mit und wollten ploetzlich Mitbestimmen, was jetzt zu tun ist. Keiner in dieser Masse hatte eine Ahnung, warum der Hund das Kind ueberhaupt angefallen hatte? Ob das Kind im schlimmsten Fall den Hund gereizt hat (ja, auch wenn ich mich jetzt unbeliebt mache, aber wenn ich es nicht mit einen eigenen Augen sehe, glaube ich grundsaetzlich Nichts – schon gar nicht irgendwelchen Medienmeldungen. Denn was war all die Jahrzehnte davor?) Kein Mensch hatte vorher etwas damit zu tun und ploetzlich machte es die halbe Welt zu ihrem persoenlichen Kreuzzug gegen das Problem. Wuerden wir mit dem gleichen Elan den Welthunger angehen oder andere große globale Probleme waere alles schon laengst kein Problem mehr.

(Das wuerde jetzt an der Stelle den Rahmen sprengen. Um welche Probleme wir uns kuemmern sollten, und wann es Aufopferung und Abhaengigkeit ist, folgt demnaechst.)

Heute gehen wir groeßtenteils problemdenkend durch die Welt. Wir versuchen mit aller Gewalt ein Probleme in Zukunft fuer alle zu vermeiden und auf alles und jeden zu uebertragen, um uns eine Sicherheit vorzugaukeln, die es im Grunde nicht gibt. Stattdessen waere es oft einfacher, uns erst mal unsere Gefuehle zu einem Thema anschauen, die wir aus der Vergangenheit verschleppt haben. Nicht jeder muss unsere Erfahrungen genauso erleben, wie wir. Die Akte auf Oskars Schreibtisch waechst und waechst und unsere innere Verteidigungsministerin faehrt immer groeßere Geschuetze auf, im gegen unsere eigenen Gefuehle. Reicht Misstrauen nicht, kommt die Wutkanone, bis zum Hassangriff und ihrer staerksten Waffe, der Angstmache. Notfalls gegen alles und jeden um uns herum, der es wagt, unserer Sympathie unwuerdig zu sein.

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Hol Dir ein Wohlfuehlklima nach Hause.

Wir versuchen unseren Freund in dieser Phase von allem abzuhalten und ihn von uns unserer Meinung zu ueberzeugen. Denn zum Schutz vor unseren Verletzungen muessen wir auch ihn schuetzen. Der arme Kerl da vor uns hat ja nicht den Hauch einer Ahnung, wie schrecklich Gefuehle sind! Wie viel Angst und Enttaeuschung auf ihn am Ende warten und mit welcher Gewissheit er in seinen Untergang gehen wird. Hilft alles nichts, kommt die Trotzreaktion:

„Wirst schon sehen, was Du davon hast! Aber jammer ja nicht rum, warum ich Dich nicht davor gewarnt habe!“ Und mit Genugtuung wird der Verstoßene beobachtet und gestalkt, um eine Bestaetigung zu finden, dass „man recht“ hatte und er als gebrochener Mensch zurueck gekrochen kommt. Und dann passiert das. Der vermeintlich Gebrochene hatte Recht und besitzt die Frechheit auch noch damit Erfolg zu haben! Oh Gott, diese Schmach. Jetzt muss er umso mehr gemieden und verachtet werden, am besten Kontakt abbrechen und doch weiterhin streng im Auge behalten. Koennte ja spaeter immer noch baden gehen … .

Was ist diese innere Verteidigungsministerin auch so ein stures Stueck! Muss unsere Gefuehle und verdraengten Aengste immer bis aufs aeussterste Verteidigen, vor allem und jedem.

Und was tun wir dagegen?

Was fuer mich eine sehr schwere und große Herausforderung war, ist das Durchbrechen dieser Muster. Das Aufhoeren mit dem Finger auf andere zu zeigen und meine Verantwortung in der Situation uebernehmen. Klar, ich koennte Gott und die Welt weiterhin verantwortlich machen und weiter auf den Staat schimpfen, die Regierung oder meine Nachbarn, wegen denen ich mich ja so schlecht fuehle. Doch das bringt mir nichts, weil all diese aeusseren Institutionen nicht mein Leben leben, sondern ich. Also ist es Zeit fuer ein paar Fakten.

Fakt Nr. 1 Keine Reaktion ohne Aktion.

Die Welt antwortet mir immer. Selbst wenn ich nur zu Hause sitze und in der Nase bohre. Die Antwort ist, dass niemand mehr klingelt. Laechle ich in die Welt hinaus, laechelt die Welt zurueck. Schimpfe ich in die Welt hinaus und bin muerrisch und launisch, wird die Welt mich meiden. Genauso ist es in Streitgespraechen. Aktion und Reaktion. Ich bin Teil des Ergebnisses durch das, was ich tue, sage und nicht tue und sage.

Fakt Nr. 2 Deute ich mit dem Zeigefinger auf eine andere Person, zeigen drei Finger immer auf mich

Ja, absolut. Probier es ruhig aus.

Fakt Nr. 3 Die Welt ist mein Spiegel.

Die Welt ist meine Projektionsflaeche meiner Gedanken und Gefuehle. Alles, was ich sehe, ist Teil von mir. Probier es aus und lerne etwas Neues, was Du bisher noch nie getan hast. Es war vorher schon in Deinem Leben sichtbar, doch Du hast es nicht wahr genommen. Will ich eine neue Kueche, sehe ich ueberall Kuechen. Will ich ein Haus bauen, nehme ich ploetzlich all die Baufirmen wahr, die immer schon am Straßenrand ihre Schilder hatte. (vielleicht nur von den vielen Shoppinggeschaeften ueberdeckt waren… ).

Fakt Nr. 4 Ich erkenne mich selbst in meinem Gegenueber

Egal, was mich am Anderen stoehrt, ich stoehre mich im Grunde immer nur an mir selbst. Warum? Mein Gegenueber ist ausnahmslos nur mein Spiegel, meine Projektionsflaeche auf den ich meine Gedanken und Glaubenssaetze werfe. Wenn ich mich beispielsweise das naechste Mal ueber einen lahmen Autofahrer aufrege, dann weil ich ueber mich denke, ein Raser zu sein und mal langsamer fahren sollte. Ich rege mich entweder ueber etwas auf, was ich ablegen sollte (rasen), oder ueber etwas, was ich annehmen sollte (langsamer fahren). Warum erkenne ich mich im anderen nur selbst? Ich weiß nie, was der andere ueber sich denkt und fuehlt. Nur weil ich meine, der/die ist zu dick oder zu duenn, muss dieser Gedanke in seinem/ihrem Kopf nicht wahr sein! Es koennen vollkommen andere Gedanken sein, es kann eine vollkommen andere Weltanschauung sein  … .

Fakt Nr. 5 Du bist fuer Deine Gefuehle selber verantwortlich

Kaum zu glauben, aber wahr. Ich bin der einzige Menschen, der fuer meine Gefuehle verantwortlich ist. Niemand auf diesem Planeten gibt mir ein Stueck Gefuehl in die Hand und sagt, „Da, fuehl Dich Scheiße!“ Nein. Ich erzeuge das Gefuehl in mir selbst, innerhalb meines Koerpers, weil mein Denken auf meinen Gegenueber reagiert. Teste es selber aus. Geh mal einkaufen und denke an der Kasse, dass der Typ hinter Dir eine seltsame Beule in der Jacke hat, die verdaechtig nach einer Knarre aussehen koennte. Auch das Gesicht, es sieht richtig verbrecherisch aus. Wie der sich benimmt? Und der schaut so seltsam in alle Richtungen. Der wird doch nicht gleich … ? Wetten Dein Puls schnellt nach oben und Du willst blitzschnell bezahlen und da raus. 😉

Fakt Nr. 6 Ich habe nicht mit dem Mensch hinter dem Problem ein Problem

Komplizierter Satz, doch er ist entscheidend. Ich habe nie ein Problem mit einem Menschen. Wenn, dann habe ich ein Problem mit einem Gedanken, Wort und/oder einer Tat dieses Menschen. Das ist ein gewaltiger Unterschied. Warum? Weil der Mensch hinter dem Problem grundsaetzlich ok ist und bleibt, auch im Streit.

Fakt Nr. 7 Lass niemals zu, dass ein Problem zwischen Euch und Eurer Sympathie steht

Koenigsdisziplin. Wenn ich Nr. 6 verstanden habe, dann ist Nr. 7 Arbeit, richtig harte Arbeit. Und ich erklaere jetzt, wie es geht.

.

Wie ich oben beschrieben habe, war dieser Schritt fuer mich eine der schwersten Herausforderungen. Und immer schaffe ich es heute auch nicht. Ich bin genauso ein Mensch mit schweren negativen Gefuehlen. Wenn der Richtige die richtigen Knoepfe drueckt wird es bei mir auch immer wieder boese lustig. Doch viele kleine Probleme sind bis dahin schon mal nicht mehr ein Problem.

Meine Koenigsdisziplin betraf meine Herkunftsfamilie. Bei uns war Alkoholismus ein Problem bis hin zum Tod durch Leber versagen. Mein Problem ist daher elementar. Ich bin sehr frueh mit meinem Talent zum Malen in Beruehrung gekommen. Mein Vater war kein Kuenstler, aber er hatte handwerkliches Talent und alles lag bereit. Von Stiften ueber Farben, Pinsel und Papier. Jede Menge Blaupausen, um schon sehr frueh Linienfuehrung zu lernen. Und so kritzelte ich munter als Kleinkind vor mich hin, malte vor dem Kindergarten seine Blaupausen nach, um Strichfuehrung zu lernen und konnte schon im Kindergarten vollstaendige Menschen mit fuenf Fingern malen. Eigentlich perfekt.

Was ist jetzt aber, wenn der Mensch, von dem ich das Talent habe ein gewalttaetiger Alkoholiker war? Wenn sein Problem ploetzlich zwischen uns steht und ich ihn ablehne? Kann ich dann ruhigen Gewissens meinem Talent weiter nachgehen? Oder stehe ich mir im Weg? Fuehle ich mich Schuldig, weil ich kann, was er immer wollte, und mir neidet? Bin ich in der Lage ihn zu lieben trotz den schlimmen Erinnerungen? Oder lehne ich letztendlich ihn fuer seine Tat ab und damit auch mich selbst ab und meine Faehigkeiten?

Ich hatte allen Grund gehabt, zu sagen: Malen? Leck mich doch am Tuerknauf, denn mehr wirst Du davon nie sehen.

Doch es macht mir zu viel Freude, um das zu sagen. Dennoch stand das Problem immer zwischen mir und ihm. Zwischen dem Ablegen der Akte in Oskars Archiv. Denn hinter all dem Schmerz und der Wut steht meine erste große Liebe als kleines Kind. Der erste Mann, der mich in den Arm genommen hat, mich getragen hat, mir die Welt gezeigt hat. Der Mann, der mir eine Seifenkiste gebaut hat als Kind und Schlitten gefahren ist. Der Mann der mir das Kino gezeigt hat und die große bunte Trickfilmwelt. Der Mann, der mir die Welt des Bleistifts und der Farben gezeigt hat. Alles Erinnerungen, die hinter dem Schmerz und der Enttaeuschung versteckt waren, weil sein Problem zwischen uns stand. So lange das Problem zwischen uns war, sah ich ueberall nur Chantre und Bier. Ich roch ueberall nur Alkoholfahnen. Ich hoerte ueberall nur gelalle. Und ich hoerte die besoffene Stimme meines Vaters in meinem Kopf und fuehlte seine Liebe nicht in mir.

All das, wegen dem Problem zwischen uns.

Ich kann meinen Vater auch ersetzen mit Nachbar, Kollege, Freund, Frau, Mann, der …, die … . Es ist immer das Selbe. Das Problem ist so groß, dass der Mensch dahinter verschwindet. Was also habe ich gemacht.

Pack Dein Problem in eine Kiste

Ich bin eines Tages zu Oskar gesprungen und hab ihn um die Akte meines Vaters gebeten.

Es ist eine Visualisierung und ganz leicht durchzufuehren.

Ein ruhiger Ort an dem Du nicht gestoert wirst. Am besten draußen in der Natur, da es besser erdet. Schließ die Augen und stell Dir ein staubiges altes Archiv vor und einen Typen, den Du sympathisch findest. (Auch Brad Pitt oder Jennifer Lawrence, wenn Du willst 😉 ). Rede mit ihm und stell Dir vor, er bringt Dir diese Akte.

Akte PapaAuch wenn Du eine scheiß Angst davor hast, diese Akte tut Dir nichts. Es ist nur ein Stueck Papier in Deinem Geist. Dann schlag die erste Seite auf und lies den Namen oben auf der Seite. Dort stehen immer erst die Personalien und persoenliche Angaben. Dir wird alles einfallen, was Du weißt. Blaetter dann weiter, sieh Dir die Erinnerungen wie Fotos an, nicht mehr. Bleibe so lange, wie Du kannst. Dann klapp die Akte zu und leg sie in Deinen Gedanken in eine Kiste, eine Pappschachtel. Mit dieser gehst Du nun zurueck zu Oskar und sagst ihm, er braucht die Akte nicht mehr bearbeiten, Du machst das selbst. Er soll sie in das besondere Archiv stellen. Das Archiv der Probleme. Jedes Mal, wenn Dir danach ist, nimmst Du diese Kiste und schaust sie Dir an. Es werden neue Fotos auftauchen und angenehme Erinnerungen. So lange, bis Du eines Tages Oskar diese Erinnerungen geben kannst, um sie abzulegen. Wenn Du die Kiste zu Hause hinstellen willst, in Deinem Geist mach es. Wenn Du eine Kiste bauen willst mit Erinnerungen, in die Du alle Probleme mit diesem Menschen packen willst, um es bewusst zu sehen, mach es. Alles, was Dir hilft, Dich damit gut zu fuehlen und den wundervollen Menschen hinter dem Problem zu sehen, ist richtig.

Und jetzt beginnt die eigentliche Arbeit.

Wann immer Dir in Zukunft ein Mensch so richtig auf den Keks geht, stell Dir eine Kiste vor. Stell sie in Deinem Geist vor Euch auf den Tisch oder halte sie in Haenden. Dort Packst Du das Problem, das ihr jetzt habt hinein. Anfangs wirst du wuetend werden und Dich auf Diskussionen einlassen. Das wirst du auch weiterhin, doch die kleinen Probleme, die Dich bisher leicht aufregten, prallen an Dir ab. Egal, wer es ist. Wenn ihr eine Diskussion habt, stell Dir diese Kiste vor und pack das Problem dort hinein. Und dann stell die Kiste auf die Seite und sag Dir, dass dieses Problem nicht zwischen Euch steht. Ihr loest es irgendwann, wenn die Zeit reif ist. Aber es steht nicht mehr zwischen Euch. Damit Du den Freund weiterhin liebevoll behandeln kannst, auch wenn er Gedanken hat, die nicht Deine Welt sind. Du lernst ihn so zu schaetzen, mit all seinen Fehlern.

Und was ist mit der Verteidigungsministerin? Egal, was sie umsetzen will, Du bist der Boss in Deiner inneren Welt und wenn Du sagst, dass sie ihr Wut- und Angstbatallion zurueckpfeiffen soll, muss sie es tun.

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3 thoughts on “Pack Dein Problem in eine Kiste (oder 7 Fakten, die Dein Problemdenken veraendern)

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